Kohlestrom gefährdet ...

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Kohlestrom gefährdet die Gesundheit unserer Kinder

Gesundheitsministerin Tack soll neuen Tagebau verhindern

 

Potsdam, 09.04.2014 – Greenpeace-Aktivisten demonstrierten am Mittwoch vor der Staatskanzlei in Potsdam anlässlich der Informationsveranstaltung über den 2. Kindergesundheitsgipfel. Ihr aufgespanntes Transparent zeigt die schädlichen Luftschadstoffe der Kohlekraftwerke in einer schwarzen Abgaswolke – symbolisch tragen sie Feinstaubmasken. Mit den deutlichen Worten auf ihrem Banner "Kohlestrom gefährdet unsere Gesundheit!" weisen sie auf die erschütternden Ergebnisse hin, welche in der im Frühjahr 2013 vorgestellten Studie "Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany by Applying EcoSenseWeb" der Universität Stuttgart offengelegt wurden. Die schlimmsten Folgen verursachen demnach die Braunkohlekraftwerke in der Lausitz. Der Spitzenreiter, Vattenfalls Kraftwerk Jänschwalde, führt zum vorzeitigen Tod von jährlich mehr als 370 Menschen. Ein Ende ist in Brandenburg vorerst auch nicht abzusehen, solange die Landesregierung an dieser schmutzigen Technologie festhält. Doch diese will sogar neue Tagebaue zulassen und somit die Bevölkerung durch die gesundheitsgefährdenden Emissionen der Braunkohlekraftwerke noch bis zur Mitte des Jahrhunderts belasten. Die Aktivisten fordern von der Umweltministerin Anita Tack und der Landesregierung – SPD und LINKE – einen Ausstieg aus der schmutzigen Braunkohleverstromung und die Aufgabe der laufenden Braunkohleplanverfahren.

"Unsere Gesundheit und besonders die der Kinder sollte bei den Politikern an höchster Stelle stehen, wenn sie über Projekte entscheiden die große Auswirkungen haben, wie es bei Braunkohletagebauen der Fall ist. Doch trotz der vielen bekannten Risiken der Braunkohleverstromung wird dieses schmutzige Geschäft besonders in Brandenburg weiter vorangetrieben! Die gesundheitsschädlichen Emissionen könnten durch den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien vermieden werden und damit auch die vorzeitigen Todesfälle, welche die Studie aufdeckt. Die Weichen sind auf grün gestellt, doch die Landesregierung in Brandenburg hat zwei Gesichter und sperrt sich gegen einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Braunkohle. Jetzt bekräftigt diese sogar die Braunkohlesparte, indem sie einen Braunkohleplan noch vor der Landtagswahl im Herbst durchwinken möchte. Der neue Tagebau Welzow Süd Teilfeld II ist aber stark umstritten und führte im letzten Jahr zu über 120.000 Einwendungen, die nun von der Landesregierung schlichtweg ignoriert werden", sagt Stefan Kruse von Greenpeace Potsdam.

"Durch saubere Erneuerbare Energien könnten vorzeitige Todesfälle vermieden werden"

Die Menschen rund um die Kraftwerke in der Lausitz werden stark durch Emissionen der Kohlekraftwerke belastet. Drei Kraftwerke - betrieben durch Vattenfall - verursachen jährlich 646 vorzeitige Todesfälle, davon durch Jänschwalde 373, Boxberg 164 und Schwarze Pumpe 110. Deren Emissionen sind unsichtbar und wirken sich auf vielen Wegen negativ auf unsere Gesundheit aus: Schwefeldioxid, Stickoxide und Staub bilden in der Luft zum Beispiel Feinstäube. Betroffene Personen sind unter anderem durch ein erhöhtes Risiko belastet, unter Atemwegserkrankungen, Herzinfarkten oder Lungenkrebs zu leiden. Weiterhin reagieren Schwefeldioxid und Stickoxide zu Ozon, welches Reizungen und Gewebeschädigungen in der Kehle und Lunge auslöst. Schließlich werden auch toxische Metalle freigesetzt. Quecksilber und Blei gelangen in unseren Blutkreislauf und schädigen Gehirn und weitere Organe. Arsen, Chrom, Nickel und Cadmium können Lungenkrebs verursachen.

Das Land Brandenburg – eigentlich Vorreiter im Ausbau Erneuerbarer Energien – könnte diese Gefahren vermeiden, die nicht nur im direkten Umfeld der Kraftwerke auftreten, sondern ihre gefährliche Wirkung auf unsere Gesundheit weit nach Cottbus, Dresden, Potsdam und Berlin sowie über die Landesgrenzen hinaus entfalten. Planungen von Ministerpräsident Dietmar Woidke und seiner Landesregierung aus SPD und der Linken, diesen schmutzigen Energiesektor zu erhalten und neue Tagebaue in Kauf zu nehmen, sind mit einem modernen Land Brandenburg nicht vereinbar. Die Tagebaue führen zur Umsiedlung von Menschen in den betroffenen Regionen (810 Menschen durch Welzow Süd Teilfeld II) und würden die Laufzeiten der Kraftwerke noch weit bis zur Mitte des Jahrhunderts hinaus verlängern und die Chancen, jetzt einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Braunkohle einzuleiten, vergeben. Schließlich führen die dadurch möglichen Emissionen zu weiteren vorzeitigen Todesfällen.

Hier können Sie die im Auftrag von Greenpeace erstellte Studie "Tod aus dem Schlot" herunterladen!